Werkö Königsee übernimmt dänische Firma


Die Fertigung von hartmetallbestückten Spiralbohrern wird nach Königsee-Rottenbach verlagert. Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen der Werkzeugfabrik, die heute selbstständige Einheit in chinesischem Weltkonzern ist.

Königsee-Rottenbach. Die Königseer Werkö GmbH übernimmt das dänische Unternehmen Ducarbo. Die komplette Fertigung des Herstellers von hartmetallbestückten Spiralbohrern wird nach Königsee-Rottenbach verlagert. Diese Nachricht verkündete am Freitag Geschäftsführer Jos van Gemert während einer Festveranstaltung zum 75. Betriebsjubiläum.

Nach bewegter Geschichte in sieben Jahrzehnten firmiert die vorherige Werkzeugfabrik ­Königsee seit 2008 als Werkö GmbH, gegründet mit 56"Mitarbeitern und seitdem zugehörig zur chinesischen Top Eastern Drills Co. Ltd. (TDC). Die Beschäftigtenzahl ist inzwischen auf 84 angewachsen, eingerechnet vier Mitarbeiter der nahe Birmingham ansässigen Tochtergesellschaft European Cleveland Ltd. Diese verkauft Präzisionswerkzeuge aus Königsee unter der Marke Cleveland für den englischen Markt.


Lokale und globale Kompetenz verknüpft

Als selbstständige Einheit in einem Weltkonzern hat Werkö die Verknüpfung von lokaler und globaler Kompetenz erfolgreich gemeistert. Das machten TDC-President Charly Lougassy und Werkö-Chef van Gemert gestern deutlich, und das würdigten ebenso die Gäste der Feier wie der Königseer Landtagsabgeordnete Gerhard Günther (CDU) und der Bürgermeister von Königsee-Rottenbach, ­Volker Stein (parteilos).

"Vom Standardsortiment geht die Entwicklung mehr und mehr in den Bereich der kunden- und anwendungsspezifischen Lösungen, die inzwischen rund ein Viertel unseres Umsatzes ausmachen", sagt Lars Grünhage, Leiter Vertrieb & Marketing bei Werkö. Dies sei auch einer der Gründe dafür, dass das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren zirka 1,4 Millionen Euro investierte. Das Geld sei vor allem in hochmoderne CNC-Schleiftechnik, in die ­Erneuerung von Maschinensteuerungen sowie in hoch­präzise Messtechnik geflossen.

Im Jahr werden nach Grün­hages Angaben zwischen zehn und zwölf Millionen Präzisionswerkzeuge hergestellt. Das Kerngeschäft seien Spiralbohrer. Zur Umsatzentwicklung verweist der Vertriebs- und Marketing-Chef darauf, dass 2012 rund 10,2 Millionen Euro zu Buche standen, 1,2 Millionen mehr als in den ersten zwölf Monaten bis Juni 2009. Etwas mehr als die Hälfte der Erzeugnisse gehe in den Export. Als Wachstumsmärkte betrachtet die Firma derzeit besonders Weißrussland und Russland. Und natürlich schaut sie sehr aufmerksam nach China. "Wir sehen ein sehr großes Potenzial in China", sagt Grünhage. "TDC veräußert unsere Werkzeuge dort. Zusätzlich sind in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren eigene ­Vertriebsaktivitäten beabsichtigt", kündigt er an.

Die Königseer bieten seit diesem Jahr außerdem ein komplett neues Portfolio an: PKD-Sonderwerkzeuge, die vorwiegend in der Automobilindustrie inklusive Zulieferer sowie im Flugzeugbau verwendet werden. PKD steht - nachzulesen bei Wikipedia - für Polykristalliner Diamant, eine synthetisch hergestellte, extrem harte, untereinander verwachsene Masse von Diamantpartikeln.

Neben Auto- und Flugzeugbau beliefert Werkö unter anderem Maschinen- und Stahlbaubetriebe, die Deutsche Bahn und Großhändler, die im Industriesegment weiter verkaufen.

Jos van Gemert dankte während der Jubiläumsveranstaltung ganz besonders den Mitarbeitern für ihren Einsatz und ihre Treue. Der Stamm arbeitet schon lange Jahre in Königsee. Lars Grünhage bezeichnet es als eine wichtige Aufgabe, die Erfahrungen weiterzugeben, denn ein kleiner Generationswechsel in Fertigung und Verwaltung sei in den nächsten fünf Jahren zu erwarten. Um diesen Wechsel abzufedern, bilde die Firma auch gezielt Lehrlinge für die Stellen aus, die vakant werden.

"Werkö hat durch die Umorganisation eine stabile Basis. Wir sind eine gesunde Firma mit guten Aussichten, auch künftighin im Verdrängungswett­bewerb zu bestehen", blickt Grünhage optimistisch in die Zukunft. Die Übernahme von Ducarbo bedeutet dabei eine weitere Stärkung des Standorts Königsee. Ab Anfang Juli werden Werkö-Mitarbeiter nach Dänemark reisen und dort in der Produktion geschult. Bis September soll dann die Verlagerung über die Bühne gegangen sein.