Werkö kauft TL Werkzeuge in Königsee-Rottenbach

Foto:Henry Trefz, Mediengruppe Thüringen

Nach Umsatzplus im letzten Jahr heißen die Herausforderungen Kobaltpreisexplosion und Metalltarifrunde

Königsee-Rottenbach. „TL Werkzeuge“ – so steht es gut lesbar an dem Funktionalbau in der Einfahrtskurve zum Industrie- und Gewerbepark in Königsee-Rottenbach. „Daran soll sich auch nichts ändern. Wir schätzen schließlich außer der Kompetenz der neuen Kollegen auch deren exzellenten Ruf in der Branche,“ sagt Lars Grünhage, Werkö-Geschäftsführer. Er und die kaufmännische Geschäftsführerin Edda Enders haben sich mit Karen Truckenbrodt-Lattermann und Holger Lattermann zum Foto der symbolischen Schlüsselübergabe verabredet.

Zu Jahresbeginn hat Werkö die Firma TL Werkzeuge übernommen, wie die Geschäftsführungen schon im Dezember bekannt gegeben hatten.

Dass das Ehepaar Lattermann, das vor der Heirat im letzten Jahr 35 Jahre das Zusammenleben ausprobierte, die Firma an den größeren Branchenbruder verkauft, war eigentlich nicht vorgesehen. Das Familienunternehmen sollte vom Sohn weitergeführt werden. Der Schicksalsschlag seines Todes warf alles über den Haufen.

Als Holger Lattermann und Lars Grünhage auf einer von der LEG vermittelten Unternehmerreise nach Russland beieinandersaßen, fiel die Idee des letzteren „Und wenn es mal ums Verkaufen geht...“ unvermittelt auf fruchtbaren Boden.

Das ist drei Jahre her, denn auch diese Fusion haben beide Seiten nicht auf die leichte Schulter genommen. Besonders die Lattermanns wollten ihrem sechzehnköpfigen Team das Vertrauen vermitteln, dass sich mit dem neuen Eigentümer nichts ändern werden.

Glaubhaft wird das auch dadurch, dass Holger Lattermann den Start in die Verschmelzung noch eine Weile als TL-Werkleiter begleiten wird.

Das ist sehr im Sinne der Werkö-Geschäftsleitung. Lars Grünhage kann genau erzählen, wie gut das TL-Profil zur Werkö-Gruppe passt: „Wir sind erfolgreich bei der Großserienproduktion von spanabhebenden Werkzeugen besonders Bohrern für den Industriebedarf, aber dort sind die Margen gering und der Preisdruck immens. Gut sind wir auch bei besonders kniffligen Spezialwerkzeugen, wo unsere Fachkenntnis herausgefordert wird.“

Mit dem hohen Aufwand und durch die zugleich geringe Stückzahl steigt hier der Preis und damit der Wunsch der Kundschaft nach Flexibilität.

„Hier kommt das ins Spiel, wofür TL steht und was perfekt in unser Portfolio passt“, berichtet Lars Grünhage. Die Lattermann-Truppe hat besondere Erfahrungen beim Wiederaufarbeiten gebrauchter Werkzeuge. „Wir sagen einfach Nachschleifen dazu“, so Holger Lattermann und erklärt, dass die so erneuerten Werkzeuge nur 40 Prozent der Kosten eines neuen erfordern und bis zu 80 Prozent der früheren Performance erreichen. „Wie oft man das machen kann, ist etwas davon abhängig, wie rechtzeitig wir das Werkzeug bekommen.“

"„Weil E-Autos nicht ohne Batterien fahren, fliegt uns Werkzeugmachern der Kobaltpreis um die Ohren.“" Lars Grünhage, Werkö-Geschäftsführer

Die Männer nicken übereinstimmend auf die Frage, ob man dies auch als eine Art Nachhaltigkeit im Werkzeugbau bezeichnen könne.

Solche Techniken sind nicht grundsätzlich neu, doch ihr Nutzen steigt an, seit die Preise auf dem Rohstoffmarkt wieder deutlich angezogen haben. So ist der für Kobalt, das für jeden guten Werkzeugstahl gebraucht wird, allein 2017 auf das Zweieinhalbfache gestiegen, der für Wolframcarbid auf das Doppelte.

„Das allein schlägt noch nicht voll auf die Preise durch, aber wir haben außerdem eine neue Tarifrunde im Metallbereich“, berichtet Chefkauffrau Edda Enders. „Die Werkö-Leitung bekennt sich zu guten Gehältern. Nicht umsonst haben wir wenig Fluktuation, keine großen Nöte, Personal zu finden und bilden bevorzugt die Kinder unserer Mitarbeiter auch als unseren Nachwuchs aus“, betont sie. Zugleich findet sie, dass Augenmaß und flexibles Herangehen auch bei Tarifverhandlungen letztlich zum Nutzen aller Seiten sei.

Apropos Arbeitsplätze: Die Werkö-Familie wächst nicht nur um die 16 Personen der neuen Tochter „TL-Werkzeuge“, sie hat auch eigene Expansionspläne, was allein in den ersten beiden Monaten vier Neueinstellungen zur Folge hat. Die Dreistelligkeit bei der Arbeitsplatzzahl ist damit gewissermaßen in Sichtweite.

Mehr Mitarbeiter und Investitionen im siebenstelligen Bereich – etwa für neue CNC-Technik – müssen irgendwo unterkommen. Und so hat Bürgermeister Volker Stein (parteilos) bei seinem Neujahrsbesuch das hohe Interesse von Werkö an einer flächenmäßigen Expansion durchaus vernommen und hofft auf ein schnelles Ergebnis eines in Auftrag gegebenen Erdfallgebietsgutachtens.

Auf die Frage, ob dereinst mal der Standort Königsee an sich zur Disposition stehen könnte, immerhin ist ja die Firmengruppe seit 2008 komplett im Besitz des chinesischen Mutterkonzerns TDC, schütteln alle den Kopf: Ohne Königsee wäre Werkö nicht mehr Werkö. Allein der Name...“